Alpha-Kevin

Wenn man ein Kind erwartet gibt es viele Sachen, die man zu erledigen hat, unglaublich viele Sachen! Kinderzimmer einrichten, Erstausstattung anschaffen, Elternzeit beantragen, 18 Lebensjahre vorschlafen, usw…ihr kennt das. Eine Sache ist allerdings wichtiger als alle anderen, weil sie euer Kind den Rest seines Lebens verfolgen beeinflussen wird.

Achtung, ab hier wird´s ultra-subjektiv!

Die Namensfindung.

An der Namensfindung sind schon ganze Familien zerbrochen, das ist wirklich keine leichte Aufgabe. Jeder hat seine Vorstellungen, jeder hat einen anderen Geschmack, jeder hat (und das ist meist das größte Problem) in seinem Leben Menschen kennengelernt, die er mochte, oder eben nicht. All diese Menschen hatten (wer hätte es für möglich gehalten) einen Namen. Mir fällt zum Beispiel spontan Marcus ein.

Ich hatte früher, also wirklich ganz früher, ungefähr vor 20 Jahren einen Marcus in meiner Fußballmannschaft, der sagen wir mal adipös fett war und seine damit verbundenen Komplexe versucht hat mit Terror zu überblenden. Man war das ne Kackbratze. Ich konnte ihn nie leiden, ich war größer als er, dementsprechend hat er mich nicht terrorisiert, kacke fand ich ihn aber trotzdem. Marcus war für mich persönlich also schon mal, ohne nur eine Sekunde drüber nachdenken zu müssen, raus. Da man im Leben allerdings nicht nur eine Arschgeige kennenlernt (oh man, es gibt wirklich so viele Dumpfbacken auf diesem Planeten), sondern meist doch schon ne Hand voll (und ich hab große Hände) davon zusammenkommt, fallen da so einige Namen aus dem Raster. Ein Kind = zwei Elternteile:  bedeutet dann also mindestens die doppelte Anzahl an Namen, die irgendwie schon negativ behaftet sind. Ich sag ja, es ist wirklich nicht leicht.

Neben den Negativbeispielen aus der eigenen Geschichte müssen natürlich auch noch weiter Faktoren berücksichtigt werden.

 

Ein weiterer Stolperstein ist der Nachname des Kindes.

Ja, den Nachnamen kann man sich nur begrenzt aussuchen, is klar. Wurde schon geheiratet ist es unkompliziert, entweder die Frau nimmt bei der Hochzeit den Namen des Mannes an, der Mann den Namen der Frau, beide behalten ihren eigenen Namen (Warum macht man sowas?), oder man legt sich auf einen Doppelnamen fest. Wurde noch nicht geheiratet behält eben jeder seinen Namen, für das Kind muss aber trotzdem festgelegt werden, welchen Nachnamen es tragen soll.

Ist die Sache mit dem Nachnamen geklärt, geht´s wieder weiter mit der Vornamen-Suche. Der Vor- soll ja schließlich zum Nachnamen passen, „Aphrodite Schulz“ klingt halt doch irgendwie mistig. Falls hier jemand zufällig mitliest, der Aphrodite Schulz heißt, mein Beileid!

Also, man macht sich dann so Gedanken wie:

  • der Nachname ist relativ lang, also sollte der Vorname möglichst kurz sein,
  • der Klang der Aussprache von Vor-/Nachname zusammen sollte harmonisch sein,
  • der Vorname sollte in Verbindung mit dem Nachnamen nicht zu Verwirrungen führen („Peter Peter“ würde mich schon ziemlich verwirren),
  • der Vorname sollte im Zusammenhang mit dem Nachnamen keine negativ behafteten Dinge ergeben (der Klassiker: Claire Grube),
  • Vor-und Nachname sollten auch keine Kombination wie „Hans Wurst“ ergeben,
  • und wenn Vor- und Nachname den Namen einer berühmten Person ergeben, dann sollte die schon ziemlich cool gewesen sein

Furchtbar viele Punkte, die man bei so einer Namensfindung beachten muss!

 

Nicht zu vergessen sind ganz klar die Schubladen-Namen

Als weiteren Ausschlussfaktor kann man die allgemeine Assoziierung eines Namens nicht unbeachtet lassen.  Paradebeispiel ist hier ganz klar Kevin. Machen wir uns nichts vor, Niemand (der sich zumindest selbst einer gewissen Gesellschaftsgruppe, oberhalb der Hartz-IV-Empfänger zuordnen würde) nennt doch sein Kind heutzutage noch Kevin. Wenn du heutzutage Kevin oder Jason heißt, dann ist das schon schwer zu ertragen, zukünftig wird es vermutlich auch nicht besser werden. Mann müsste sich schon zum Alpha-Kevin hochkämpfen. Es gibt natürlich auch ein weibliches Pendant: Chantal. Jeder hat sein Bild von einer Chantal, Jaqueline oder Ashley im Kopf.

 

Dann hätten wir da noch die Doppelnamen

War es bis hierher schon subjektiv, wird es jetzt nochmal etwas subjektiver („subjektiver“ gibt´s nicht, oder?). ich persönlich kann Doppelnamen so viel abgewinnen, wie Montagen, an denen das Thermometer -17 Grad anzeigt, es regnet, eine vereiterte Mandelentzündung im Anmarsch ist, eine Darmspiegelung ansteht und obendrein noch das Gehalt gepfändet wird. Mir erschließt sich der Sinn von Doppelnamen schlichtweg nicht. Ich persönlich habe ja die Vermutung, dass Doppelnamen eine Erfindung von Frauen sind. Frauen (es mag vereinzelt Ausnahmen geben) haben es ja in der Regel nicht so mit Entscheidungsfindung, da ist es natürlich praktisch, sich nur auf 2-4 Namen beschränken zu müssen und die Reihenfolge auszuknobeln. Ok, ein Argument für Doppelnamen gibt es, aber auch wirklich nur eines. Wenn der oder die Standesbeamte/in auf Grund der Uneindeutigkeit des 1. Vornamens auf einen 2., geschlechterspezifischen Namen besteht. Zum Beispiel Michél Brutus Schmidt. Is klar ne!?

Weiterhin sollte auch der Kulturkreis bedacht werden

Solltet ihr in Bochum, Hamburg, Köln, München, Lederhose, oder sonst irgendwo in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder einem anderem zentraleuropäischem Land (ok, die Schweiz ist da ein miserables Beispiel) leben, dann gibt es Vornamen, die irgendwie, so rein gefühlsmäßig nicht richtig passend wirken. Hätten wir beispielsweise unseren Sohn „Mutambe“ genannt, oder vielleicht auch „Abubakr“, dann würde das vermutlich, außer in der ein oder anderen Migranten-Community, für irritierte Blicke sorgen. Mal ganz abgesehen, dass Mutambe Handbier auch nicht wirklich tonal harmoniert. Ich denke, ihr wisst, was ich meine. Als nächste Kategorie kann man wohl die „Event-Namen“ thematisieren.

 

Event-Namen

Mit Event-Namen meine ich jetzt nicht „Rock-Im Park Müller“, sondern eher Namen, die auf Grund besonderer Ereignisse oder Events gerade aktuell sind. Ein Beispiel, dass sich mir da besonders aufdrängt ist Helene, ich denke, dass ich das nicht näher erläutern muss, alles Andere würde mich atemlos machen. Mats, ist auch so ein Name, WM/EM (kann mich einfach nicht mehr genau dran erinnern) im eigenen Land und zack, der Name Mats (ja, den Hummels finden ja alle Frauen ganz toll, nur seine Uschi, die mag niemand) wird zum Sammelbegriff in den Kreißsälen der Nation. Whatforever, ein ganz wichtiges Kriterium hab ich noch gar nicht angerissen:

 

Die Namens-Hitlisten der vergangenen 5 Jahre

Auch hier kann ich wieder nur für die Handbiers sprechen, ich vermute allerdings, dass einige von euch hier ähnliche Überlegungen angestrengt haben. Wir haben für uns ausgeschlossen, dass unser Sohn später einmal der 17. Liam in seiner Klasse werden wird. Daher haben wir uns die Hitlisten der beliebtesten Vornamen der letzten fünf Jahre ganz genau angeschaut und diese auf unsere „Don´t – Liste“ übernommen. Schlimm genug, dass alle Kleinkinder den selben Mist von H&M-Kids, Zara, C&A und Ernstings Family (hier wäre jetzt grundsätzlich Platz für jede Menge affiliate Links) tragen müssen, weil es keine wirklichen Alternativen gibt, da kann man dann bei der Namensgebung schon etwas kreativer werden. Womit wir dann auch beim nächsten, zu beleuchtenden Punkt bei der Namenssuche wären:

 

total verrückte Namen

Wer kennt sie nicht:

  • North West (Kanye West & Kim „BubbleButt“ Kardashian)
  • Fifi Trixibell (Bob Geldof und Paula Yates)
  • Poppy Honey (Jamie und Jules Oliver)
  • Princess Tiaamii (Katie „Jordan“ Price und Peter Andre)
  • Peaches Honeyblossom und Pixie Frou-Frou (Bob Geldorf und Paula Yates)
  • Moon Unit, Dweezil und Diva Thin Muffin Pigeen (Frank Zappa)
  • Deveraux Octavian Basil (Mick Jagger und Melanie Hamricks)

die Aufzählung könnte ich jetzt noch ne Weile fortführen, aber ich erspare es euch. Ich möchte hiermit aber trotzdem darauf hinweisen, dass solche Namen in der Regel nicht zu euren Nachnamen passen, beknackt klingen und Ihr, bzw. Eure Kinder nicht berühmt oder reich (oder am besten beides) genug seid, um sich dauerhaft Freunde kaufen zu können, weil sie durch ihre bescheuerten Namen einfach keine auf normalem Wege finden können. Ach und die netten Behördenmitarbeiter machen unter Umständen auch Ärger, wobei es natürlich auch Ausnahmen gibt, welche ich euch selbstverständlich auch nicht vorenthalten möchte.

 

Top Ten der irrsinnigsten (und amtlich eingetragenen) Namen aller Zeiten

  1. Pepsi Carola
  2. Schokominza
  3. Imperial-Purity
  4. Dee-Jay
  5. Frangi-Pany
  6. Laser
  7. Despot
  8.  Windsbraut
  9. Galaxina und last but not least
  10. Matt-Eagle

Falls ihr also bei der Namensvergabe eurer Kinder zufällig besoffen, oder anderweitig nicht zurechnungsfähig seien solltet und obendrein nach einem Namen sucht, der euren Kindern das leben schwer macht, dann bitte. Bedient euch.

Wir haben für uns, bzw. für unser ganz persönliches Balg, einen passenden Namen gefunden, mit dem er hoffentlich leben kann. Ich wäre mit „Dödel“ auf jeden Fall glücklich geworden.

 

6 Gedanken zu “Alpha-Kevin

  1. Sabrina schreibt:

    Ein ganz entscheidender und überaus wichtiger Aspekt wurde völlig ausgelassen! Uns war bei der Namensfindung ebenfalls noch sehr wichtig, dass der Name auch in lauterem Tonfall und in Verbindung mit den Worten „Nein“ „Hör auf“ und „lass das“ noch einen sehr harmonischen Klang hatte und leicht von den Lippen kam. Beim Sohn konnten wir dadurch, als am Ende nur noch zwei Namen im Rennen waren durch den Schrei und Nein-Test final einen Favoriten auswählen. #truestory

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