mein Kind nervt

Heute möchte euch mich mal einem Thema widmen, dass die meisten nur ungern öffentlich ausführlich ansprechen.

Das eigene Kind nervt.

 

Ja, im letzten Beitrag hab ich mir Gedanken darüber gemacht, wie es wohl ohne Frau und Kind wäre und bin zur Einsicht gekommen, dass das keine Verbesserung wär. Nichts desto trotz gibt es Momente, da würde ich gern auswandern!  #nachIngoschezien

 

Aber von vorn:

Ich kann mich noch gut daran erinnern, ich war Single, jung, gutaussehend (das müsst ihr jetzt einfach so hinnehmen), hatte (bis auf meinen Job) keine Verpflichtungen und jede Menge Freizeit. Grundsätzlich also gute Voraussetzungen, um beste Laune zu haben. Ab und zu bin ich allerdings auch in dieser Zeit mit Kleinkindern in Berührung gekommen #ihhhhhh.

Sei es in der Straßenbahn, an der Supermarktkasse, im Restaurant, über all eben, wo sich Menschen in der Öffentlichkeit aufhalten. Damals, ich muss es zugeben, da haben mich schreiende, quängelnde, nörgelnde, bockende  oder einfach nur laute Kinder wirklich genervt. Ich hatte kein Verständnis dafür. Woher auch, die eigene Kindheit war schon so weit entrückt, dass mich die Erinnerung nicht milde gestimmt hat; und die eigenen Kinder waren noch nicht mal ansatzweise in Planung und somit auch kein grundlegender Faktor für wohlwollendes zur Kenntnis nehmen.

Das Kind, dass sich mit voller Inbrunst auf dem Supermarktboden wälzte, weil es keine Schokolade oder Playmobil-Spielzeuge bekam, ging mir genauso auf die Nüsse, wie das schreiende Kind in der Straßenbahn. Ich war einer von Denen, die in solchen Situationen dann blöd geschaut haben. „Warum haben die ihre Kinder nicht im Griff?“…einer der Gedanken, die mir in solchen Momenten durch den damals scheinbar noch ziemlich leeren Kopf gingen. Im Nachhinein natürlich völlig absurd, ich weiß das.

Heute, bzw. mit der Geburt unseres Sohnes hat sich das grundlegend geändert #Überraschung. Auf einmal war ich auf der anderen Seite #hiergibtesauchkeineKekse, ich war einer von Denen, die ihr Kind mitunter (im Auge der Anderen) nicht im Griff hatten und somit plötzlich voller Verständnis für die damals, für mich nicht nachvollziehbaren Situationen.

Trotz dieses Sinneswandels kommt es auch heute noch vor, dass mich Kinder nerven. Arschlochkinder auf dem Spielplatz beispielsweise, Besserwisser-Kinder, pubertierende Kinder, fremde Kinder, ach was soll´s…ich hasse einfach alle Menschen, das schließt natürlich auch alle Kinder dieser Erde mit ein #wareinWitz #bleibtruhig. Ganz oben auf der Hass-Hitliste steht allerdings ein Kind, von dem ich nie gedacht hätte, dass es darauf überhaupt zu finden wäre #ichwarsoblauäugig. Mein Sohn, unser Sohn, der Dödel himself !

Wenn ich genauer drüber nachdenke eigentlich aber nur logisch. Mit keinem anderem Kind verbringt man so viel Zeit, wie mit dem eigenen. Die Kinder durchlaufen Phase um Phase, mal sind es die Zähne, mal bilden sich vielleicht neue Synapsen im Hirn, mal ist es ein Wachstumsschub, mal ist es irgendeine mit Rotze, Kotze, oder Kot verbundene Kita-Krankheit und mal ist einfach nur Wochenende und es somit an der Zeit Morgens um 5:30Uhr „Mammmaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa“ zu rufen. Natürlich gibt es sie, diese wunderbaren, diese großartigen, diese tollen Momente, in denen der Nachwuchs sein Bestes gibt und dir ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert, das steht völlig außer Frage, es gibt aber auch unendlich viele Situationen, in denen man die Bälger am liebsten an der nächsten Autobahn-Raststätte aussetzen möchte.

Gut, vielleicht ist das auch mir, meiner Persönlichkeit, meinem Charakter geschuldet, aber bei mir ist es auf jeden Fall genau so. Ich versuche mir auch immer wieder einzureden, dass das Kind natürlich nichts dafür kann, dass es das nicht absichtlich macht, oder eben mit voller Absicht, um seine Grenzen auszuloten (herzlich willkommen in der Trotzphase).

Die Trotzphase also:

„…die Trotzphase gehört zur normalen kindlichen Entwicklung. Als Fachbegriffe verwendet man hier auch „Autonomiephase“ oder „Autonomiebestreben“. In der Trotzphase lernt das Kind, einen eigenen Willen zu haben und diesen auch durchzusetzen. Anfangs sind Eltern bei auftretenden Wutanfällen oft ängstlich und ratlos, weil sie denken, sie hätten etwas falsch gemacht…“

Also ich für meinen Teil bin in Momenten, in denen die Trotzphase grad mal wieder stärker ausgelebt wird als üblich, oft genervt. Also echt, natürlich weiß ich, dass der Dödel nix dafür kann, dass das der Lauf der Dinge ist, dass er nur so seinen Charakter ausbilden kann und dass ich mit Sicherheit nicht einen Deut besser war; und trotzdem nervt der Dödel manchmal mit seinem Autonomiebestreben.

Auf der einen Seite freuen wir uns natürlich, dass er selbstständig wird, dass er versucht alles selber zu machen, auf der anderen Seite macht es manche Sachen halt auch einfach unnötig kompliziert #ihrkenntdas.

Ein aktuelles Beispiel vielleicht noch, um die Problematik etwas zu verdeutlichen #alsobdasnötigwäre :

Ich hab den Dödel aus der Kita abgeholt, bin mit ihm nachhause gegangen und habe ihm den Auftrag erteilt im Eingangsbereich der Wohnung zu warten, damit er mit seinen Schuhen, die zu 97% aus Sand und Rotz bestehen, nicht durch die ganze Bude latscht. Ergebnis war ein Wutanfall, der seines Gleichen suchte, kein normales Heulen, weil irgendwas doof ist, sondern das volle Programm. Kopf in den Nacken und schreien bis die Stimme versagt, man sich an der eigenen Sabber verschluckt und der Kopf hochrot anläuft. Yeah, so stellt man sich seinen Feierabend vor #nicht! Da stand er also, der Dödel, damit beschäftigt seinen Kopf gegen die Tür zu hauen, weil er nicht stehen bleiben und sich die Schuhe ausziehen lassen wollte. In solchen Momenten könnte ich ihn einfach vor die Tür stellen, Kopfhörer aufsetzen und die Musik aufdrehen, damit mir dieses Elend erspart bliebe.

Geht aber natürlich nicht, könnte ich dann irgendwie aber sowieso nicht mit meinem Gewissen vereinbaren und das Jugendamt wäre vermutlich auch eher semi-glücklich damit.

Damit komme ich dann persönlich immer an einen Punkt, an den es gilt eine Entscheidung zu treffen:

 

Möglichkeit 1

Das Kind einfach machen lassen:

Die Variante liegt mir persönlich nicht besonders, weil ich der Meinung bin, dass doch gewisse Grenzen eingehalten und auch nicht überschritten werden sollten. #ichbinderBADCOPinunsererFamilie #wollteichniesein

 

Möglichkeit 2

Dem Kind gut zureden:

Also bitte, dem Kind gut zureden? Funktioniert nicht, nie! Jeder der kleine Kinder hat, die gerade irgendeinen Flitz in der Birne haben, weiß, dass Katharina (dachte immer, die heißt Katja) Saalfrank entweder zaubern kann, oder die Kinder der Super Nanny gekauft sind!

 

Möglichkeit 3

Das Kind bestechen:

Meiner Meinung nach macht man das leider viel zu oft, mögen die Beweggründe auch noch so vielfältig sein (Stress im Job, Schlafmangel, angeschlagene Gesundheit, usw.) grundsätzlich bin ich eigentlich gegen Bestechung. Eigentlich… manchmal gibt es nämlich einfach Situationen, in denen man entweder keine Kraft oder Lust hat ewige Kämpfe mit dem Nachwuchs auszufechten, oder eben weil man keinen anderen Ausweg mehr weiß. Niemand will ja sein Kind „leiden“ sehen, auch wenn das „Willen Durchsetzen“ hier vermutlich oft mit leiden verwechselt wird…. Bestechung ist hier also manchmal auch ein probates Mittel (auch wenn das vermutlich pädagogisch nicht besonders wertvoll ist)

 

Möglichkeit 4

Das Kind ablenken:

Jeder weiß ja, dass Kleinkinder eine Aufmerksamkeitsspanne wie eine Stubenfliege haben #ohhheinEichhörnchen #oheinStein #ohhheinKronkorken #ihrkenntdas, allerdings stimmt das nur bedingt. Wenn es nämlich darum geht den eigenen Willen durchzusetzen, dann können die kleinen Herrschaften plötzlich ziemlich beharrlich sein. Falls dann aber doch mal der Grund für das entgegengebrachte Missfallen seitens des Kindes abhanden kommt, macht das auch nichts, Kinder können nämlich auch ausgezeichnet heulen/ bocken, wenn sie schon gar nicht mehr wissen, worum es überhaupt ging. Whatforever, zurück zum Thema, Ablenkung kann ein gutes Mittel sein, erfahrungsgemäß klappt das aber (zumindest beim Dödel) auch nur, wenn die 10 auf der Eskalations-Skala nicht schon erreicht wurde.

 

Möglichkeit 5

Dem Trotzkopf die Stirn bieten:

Die bei mir unbeliebteste Möglichkeit ist ganz klar die Konfrontation. Meist gibt es da keine Gewinner, aber manchmal (wie oben schon erwähnt) bin ich der Meinung eine Vorgabe umsetzen zu müssen, egal, ob da jetzt Kooperationsbereitschaft im Spiel ist, oder eben nicht. Ich hab nämlich die Angst, das Kind sonst völlig zu verziehen. Ich stelle mir dann immer vor, wie es wohl wäre, wenn ich jedes Mal nachgeben würde, wenn der Dödel seinen Willen durch Trotz und Rumgeschrei durchzusetzen versuchte. Postapokalyptische Zustände wären das, dass kann ich einfach nicht riskieren. Selbstverständlich muss da schon abgewägt werden, ob es sich um grundsätzliche Dinge dreht, oder um Banalitäten #justsayin. Für mich wirklich die schlechteste Option.

 

Diese Möglichkeiten (ich habe mit Sicherheit noch einige vergessen) gilt es dann ,während der Nachwuchs zu Hochtouren aufläuft, auszuloten und ggf. umzusetzen. Eine schrecklich nervige Bürde.

Je nach Tagesform und Begleitumständen kann mich das persönlich schon ziemlich nerven.

Zusammenfassend bleibt unterm Strich vermutlich festzuhalten, dass nicht das Kind mich nervt, sondern meine Unfähigkeit, mich mit seinem Verhalten zu arrangieren. Damit ist es offiziell, mich nerven also nur ich selbst und alle anderen Menschen auf diesem Planeten.

Und ganz wichtig, ich werde es mir als Mantra vielleicht mal unter die Fußsohlen tättowieren lassen müssen, „es ist alles nur eine Phase“.

 

 

 

 

2 Gedanken zu “mein Kind nervt

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