Fehlerfrei

Ich hab irgendwann mal einen Film gesehen, der anders sein wollte als alle anderen Filme. Am Anfang Stand der Tod, am Ende stand die Geburt, das Leben. Ein Alter, blinder Uhrmacher sollte eine Bahnhofsuhr bauen, was er auch tat. Allerdings kam bei der Enthüllung der Uhr ungläubiges Staunen auf; die Uhr lief rückwärts. Er hatte sie absichtlich so gebaut, in der Hoffnung sein verstorbener Sohn würde somit wieder ins Leben zurückgeholt werden.

Manchmal wünschte ich mir, ich wäre auch Uhrmacher, blind möchte ich nicht sein, aber ne Uhr, die rückwärts läuft und die ein- oder andere Entscheidung rückgängig machen kann, die würde ich ganz gern bauen können.

Whatforever, da ich mich gegen eine Uhrmacherlehre (gibt´s das überhaupt noch außerhalb von China?) entschieden habe, wird das wohl nichts.

Bleibt also nur der Rückblick.

Gestern Abend, bevor ich ins Bett ging, habe ich Krami noch zur Straßenbahn gebracht, die Frau des Hauses denkt nämlich, dass wir in Bogota, Johannesburg, oder Mexiko-Stadt leben und dementsprechend ein Verlassen des Hauses, nach Einbruch der Dunkelheit, mit einem Selbstmord gleichzusetzen ist. Vorher haben wir uns auf nen Wein getroffen, bzw. die Frauen ( bin nicht so der Wein-Trinker);  um ein bisschen zu quatschen und das beinahe zur Tradition gewordene Sushi zu vernichten.

Als Krami bei uns ankam, war der Dödel noch am rumquaken, obwohl er schon eine Stunde vorher ins Bett verfrachtet wurde. Vermutlich war der Tag für ihn so ereignisreich, dass er noch einiges darüber zu erzählen hatte. Schließlich hatte er ein vorzügliches Entertainment-Programm bevor es ins Bett ging. Wir haben Kastanientiere gebastelt (ja ok, eigentlich hab ich gebastelt -im Bild zu sehen ist übrigens eine Giraffe – und er hat Smarties  #hierkönntedeineWerbungstehen bunte Schokolinsen gegessen)

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Die Kastanien hatte ich übrigens bei der zuvor durchgeführten Team-Building-Maßnahme gesammelt. Die Zahnstocher, nen Weißen Edding #auchhierkönntedeineWerbungstehen Permanentmarker und nen Blumenstrauß hatte ich nach der Ankunft vom eben schon erwähnten Team-Building käuflich erworben, nachdem ich vorab noch schnell beim Friseur war.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich gestern auf nem´ „Team-Building-Ausflug“ war? Der Ausflug endete gegen 15:30Uhr, vor der Abreise gab´s aber natürlich auch ein paar Unternehmungen, die ich nicht unerwähnt lassen möchte.

Wir haben ein Restaurant besucht, nachdem wir vorher im Glocken- und im DDR-Museum waren. #Wooohooo #wissterbescheid.

Zum Restaurant möchte ich noch ein paar Worte verlieren, weil es mich – sagen wir mal- nachhaltig beeindruckt hat.

Das Restaurant „Parkidyll“ hatte eine meiner Kolleginnen, die einen familiären Bezug zu unserem Ausflugsort hat, ausgewählt.

Ich sag mal so, ich wär vermutlich nicht reingegangen. Am Eingang standen mehrere dieser Aufsteller, die vorzugsweise von Biermarken bereitgestellt werden. Sie standen aber nicht mal ordentlich in Reih und Glied -da bin ich Ordnungsfanatiker- sondern kreuz und quer am Treppenaufgang.

Natürlich waren es auch nicht etwa 4 Schilder vom selben Getränkehersteller, sondern ein buntes Potpourri aus verschiedenen. Für mich persönlich, in Kombination mit der Plastik-Bestuhlung des Außenbereichs, Grund genug weiter zu gehen; aber was willste machen, wenn du in ner Gruppe unterwegs bist und nicht zur Team-Rückbildung beitragen willst.

Ich bin also natürlich mit reingegangen und wurde von einem Ensemble des Grauens empfangen. Jeder Raum hatte eine andere Farbe (auf Rauhfasertapete gestrichen #isklar), was jetzt aber nicht irgendwie mit nem schlüssigem Farbkonzept verwechselt werden sollte!

Parkidyll2

In jedem Raum hingen verschiedene Lampen und Bilder mit brennenden Früchten! BRENNENDE FRÜCHTE! Was bitte denkt sich der Restaurantbetreiber?

„Och, ich häng mal ein paar schöne Bilder von brennenden Gegenständen auf, die bringen nen modernen Touch in mein Etablissement“ ?

Anyhow, nachdem wir Platz genommen und unsere Bestellung aufgegeben hatten, konnte ich mir das Elend noch etwas genauer ansehen und hab einige wirklich schrullige Details ausfindig machen können.

Parkidyll

Ein Bild, dass mit Leder bespannt war, ein Lederbild also…so ein Teil haben meine Eltern auch im Wohnzimmer hängen, seit 1987! (Die haben übrigens auch keinen Geschmack #sorry #notsorry). Ein Udo-Lindenberg-Stencil-Bild, dass mich genau wie das Howard-Carpendale-Stencil-Bild die ganze Zeit beobachtete. Im Nebenraum Bilder mit Sprüchen wie „smile & the world smiles back“ #andieserStelleüberkommtmichgeradeeinleichterWürgereiz, natürlich noch mehr brennende Früchte und Cocktailgläser, Zeitungsausschnitte an der Wand und 2 rote Kunststoff-Schwippbögen im Fenster…im SEPTEMBER!!! ich könnte hier jetzt noch ne Weile weitermachen, aber ich denke ihr wisst worauf ich hinaus will.

Sei es wie es sei, dem desaströsen Restaurant ging der oben bereits erwähnte Museumsbesuch voran, welcher wirklich nicht verkehrt war.

Langsam möchte ich aber mal auf das eigentliche Thema kommen, weswegen ich den Beitrag hier überhaupt schreibe #längsteundsinnlosesteEinleitungallerZeitencheck.

Das Team-Building startete um 9:00Uhr, damit hatte ich Zeit den Dödel in die Kita zu bringen.

Die Frau konnte eher zur Arbeit gehen und alles war gut.

So zumindest der Plan. Der Dödel fand die Tatsache, dass ich ihn weckte, anzog und versuchte zu verpflegen eher so semi-gut.

Um es ungeschönt zu sagen, er war angepisst. So richtig, nicht so „ich-muss-jetzt-im-Restaurant-Parkidyll-essen“, sondern eher so „der-hat-mir-grad-mein-Essen-geklaut-nachdem-er-mich-mitten-in-der-Nacht-geweckt-hat“-mäßig.

Es kam also wie es kommen musste, nach anfänglicher Souveränität meinerseits (ich hatte ja Zeit im Rücken) übertrug sich des Dödels Laune ungefiltert, eins zu eins auf meine Wenigkeit.

Ich muss es zugeben, nachdem er lautstark Müsli einforderte, es dann aber doch nicht wollte, im selben Moment aber auch nicht wollte, dass ich es wegräume, es gleichzeitig aber auch nicht da bleiben sollte, wo es war und er es eigentlich doch essen wollte #ihrkenntdas und dieses Schauspiel ungefähr eine viertel Stunde andauerte, war meine Reizschwelle schon arg angeknackst.

Beim Anziehen war es dann völlig vorbei! Sein Schreien nahm mittlerweile hysterische Züge an, und ich war an dem Punkt angelangt, an dem ich meinen Willen durchsetzen wollte #erzieherischeGlanzleistung. Erschwerend kam noch hinzu, dass des Dödels Mutter auch noch anwesend war #wiesoeigentlichsiewolltedocheherzurArbeit, und versuchte die Situation durch gut Zureden zu entschärfen #asloobdasbeiunsankommenwürde, anstelle sich einfach mal rauszuhalten. Die Kernschmelze stand also kurz bevor.

Der kleine Brandbeschleuniger hat alles gegeben und ich hab ordentlich dagegen gehalten. Ich hab ihn also in seine Klamotte gepackt, ihm gegen seinen Willen seine Schuhe und Jacke, sowie Mütze angezogen #ihrwisstwiesowasabläuft.

Wir sind dann alle zusammen im 1-Quadratmeter-Fahrstuhl nach unten gefahren, der Dödel hat weiterhin alles gegeben und des Dödels Mutter – mittlerweile auch mindestens auf 180 (allerdings eher wegen mir, als wegen ihm) – war auch derbe angepisst.

Unten angekommen, wollte des Dödels Mutter weiter intervenieren, mir war das aber zu viel, ich hab gar nicht richtig zugehört, hab sie kurz angeblafft und bin mit der Heulboje abgezogen.

Der Supergau ist also eingetroffen, die Laune war bei allen Beteiligten so ziemlich bei Minus 100% angelangt und der Tag im Grunde schon vorm eigentlichen Beginn völlig für die Tonne, nur weil ich davon genervt war, dass der Dödel nicht so funktioniert hat, wie ich das in dem Moment erwartet habe und weil ich dann im Zuge dessen auch mit seiner Mutter keinen Konsenz finden konnte, um den kleinen Revoluzzer -der er natürlich sein muss, um ein „normaler Mensch“ zu werden, zu befrieden.

So läuft es manchmal also auch, absolut nicht fehlerfrei, mit Stress, mit Streit, mit Geschrei, mit Tränen und mit enttäuschten (falschen) Erwartungen.

„Life (und auch des Dödels Dad) is sometimes a bitch.“

Das hätte mal im „Parkidyll“ auf einem der Bilder an der Wand stehen sollen.

Übrigens, die Kastanien-Bastel-Aktion und der Blumenstrauß #jajavollKlischee #iknow waren meine Art mich bei den beiden, von meinem grandiosem Versagen Betroffenen, zu entschuldigen.

Zum Glück haben sie mein Friedensangebot angenommen und den Rest des miserabel gestarteten Tages mit mir verbracht.

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Dank dafür…

 

 

4 Gedanken zu “Fehlerfrei

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