Mann, oh Mann

Seitdem ich auf Instagram unterwegs bin, speziell auch mit Bezug  zum Thema, Kinder/Eltern/Erziehung/etc… lese ich immer öfter, dass insbesondere Frauen, an und über ihre Grenzen hinaus gehen müssen, um ihren Alltag zu meistern.

Da wird vom Rande des Wahnsinns, von Tränen, von Wut auf sich selbst, von verfehlten Idealbildern, von nicht umgesetzten Vorsätzen, von Zwiespalt und von Selbstzweifeln geredet.

Als Mann fällt es mir unwahrscheinlich schwer, mich in diese Gedanken hineinzuversetzen. Jetzt weiß ich natürlich nicht, ob das ausschließlich daran liegt, dass ich ein Mann bin, oder eben an meiner Persönlichkeit. Aber im Grunde gibt es dafür ja eigentlich nur zwei Möglichkeiten:

entweder

  • sind wir Männer hier generell unbekümmerter als das weibliche Geschlecht,oder
  • uns Männern geht es oftmals genauso, nur wir reden nicht darüber.

Da sitz´ ich also auf der Couch, scrolle durch die Quadrate und lese mal wieder davon, dass sich „XY“ im Bad eingesperrt hat, weil alles zu viel wurde. Weil aus der Räubertochter/der Prinzessin/dem Goldjungen ein Wutmonster wurde, das neben dem Mount-Wäscherest (warum hat eigentlich noch niemand Wegwerf-Kleidung erfunden)auch noch bezwungen werden muss. Da lese ich von emotionalen Ausnahmezuständen, von zu wenig Unterstützung; und vom Funktionieren im Autopiloten-Modus und frage mich, was da bloß schief gelaufen ist.

Vielleicht (ist nur so ne Vermutung) sind wir Männer da nicht ganz unschuldig dran!?

Ich habe mal meine Rolle in der Kindererziehung und im handbierschen Haushalt hinterfragt und einige Gründe gefunden, die es des Dödels Mutter mitunter vermutlich schwerer machen als nötig.

Ein „normaler“ (Wochen-) Tag läuft bei uns so, oder so ähnlich ab:

5:45Uhr

Mein Wecker klingelt, bzw. hab ich mir mittlerweile so ein Fitness-Armband besorgt, dass mich durch Vibration weckt (Fitness mach ich trotzdem nicht), um die Frau nicht mittels direkter akustischer Beschallung gleich mit aus dem Schlaf zu reißen #nettoder.

6:00Uhr

Die Frau steht, wohl oder übel, auch auf und wir begegnen uns kurzzeitig im Bad.

6:10Uhr

Wenn´s gut läuft bin ich kurz nach Sechs startklar und mache mich auf den Weg zur Arbeit. Ich fange früh an zu arbeiten, um zeitig Feierabend machen zu können, einer muss ja schließlich das Kind abholen.

6:40Uhr

Die Frau hat sich so weit hergerichtet, dass sie sich im Stande fühlt unter Menschen zu treten. Derweil ist der Dödel meist auch schon wach und wird (ich mag’s nicht besonders, kann´s aber verstehen) kurzzeitig vorm Fernseher geparkt. Er wird angezogen, verköstigt und anschließend zur Kita gebracht. Die Aufgabe hat die Frau also schon mal zusätzlich an der Hacke.

15:30Uhr

Ich mache mich auf den Weg zur Kita, bin gegen 16:00Uhr vor Ort und sammle den Dödel ein. Je nach Wetter-/Gemütslage sind wir dann noch an der frischen Luft unterwegs, oder gehen nachhause und versuchen die Zeit bis zum Eintreffen der Frau des Hauses irgendwie totzuschlagen.

17:00Uhr – 18:00Uhr

Je nachdem, wie viel auf Arbeit zu tun ist, kommt die Frau des Hauses eingetrudelt und hat dann alle Hände voll zu tun. Ich geb´s zu, wenn ich die Tür aufgehen höre, dann ist für mich der Arbeitstag (inoffiziell) zu ende. Die Frau möchte natürlich Zeit mit dem Junior verbringen, am liebsten würde sie aber auch noch was tolles kochen und die ganze Bude putzen (wobei das Wort „Liebe“ in Bezug aufs Putzen definitiv nicht bemüht werden sollte #isklar). Zwischen 17 & 18Uhr sind wir also in der Regel vollzählig.

Es stehen noch 2-3 Stunden We-Time, aka. Kinderbespaßung und täglicher Shizzle an.

Fairerweise muss man natürlich sagen, dass nie jemand behauptet hätte, es würde leicht den Familienbetrieb aufrecht zu erhalten.Ich bin fertig vom Tag, wenn die Frau nachhause kommt. Sie leider auch. Nichts desto trotz macht sie mehr im Haushalt, mehr für die Familie. Ich meine das jetzt nicht auf eine Retro-Macho-Art, so von wegen „die Frau ist für den Haushalt und co. zuständig“, sondern bezogen auf die Erwartungen, die sie an sich selbst hat.

Sie würde gern was kochen, eine gute Frau macht das nun mal so! Natürlich sollte eine moderne Frau nicht mehr so denken, aber irgendwie steckt es dann doch noch tief drin. Vermutlich geht es nicht nur meiner besseren Hälfte so, sondern den meisten von euch.

Ach und Wäsche muss noch gewaschen werden, und im besten Fall noch geputzt. Ich für meinen Teil werde von der Waschmaschine ferngehalten (keine Ahnung warum das so ist), und auf Putzen hab ich unter der Woche (ach was red´ ich, niemals!!!!)  schon gar keine Lust. Die Frau mit 100%tiger Sicherheit auch nicht, allerdings kann ich es, im Gegensatz zu ihr, dann auch einfach sein lassen und damit leben, dass die Bude eben nicht tip-top-Papstbesuchs-fertig hergerichtet ist.

Als ob das alles noch nicht reichen würde, ist die Dame des Hauses auch diejenige, die meist des Nachts aufsteht, wenn es mal nötig ist; oder die, die Morgens am Wochenende aufsteht, weil sie mir was Gutes damit tun will.

Was ich eigentlich damit sagen will?

Vermutlich Ganz sicher unterstütze ich die Frau oft nicht so, wie ich es sollte, das tut mir leid; ich mache das auch nicht mit Absicht! Ich versuche mich zu bessern, die Einsicht kommt allerdings nicht bei jedem Mann von allein, deshalb solltet ihr eure Männer ruhig mal darüber informieren, wenn ihr bezüglich eines Themas unzufrieden seid.

Ihr müsst euch dann vielleicht auch nicht mehr in eurem Badezimmer einschließen und weinen (übrigens, Gefühle zeigen ist natürlich grundsätzlich nichts schlechtes). Oftmals bekommt man(n) es nämlich schlichtweg einfach nicht mit.

Das ist die eine Seite der Medaille, die andere -vermutlich noch viel gravierendere- ist die, dass ihr euch vielleicht einfach mal etwas entspannen solltet.Das klingt in euren Ohren sicher total beknackt, aber unterm Strich ist das doch das Einzige, was euren Zweifeln – bezüglich was auch immer – das Wasser abgraben kann.

Ihr bringt euren Kindern so viel bei, so viele tolle Sachen! Liebe, Freude, Selbstbewusstsein, Aufgeschlossenheit, Zuversicht, Neugier, Entdeckungslust, Vertrauen und viele andere Dinge, die sie ohne euch nicht kennen würden. Ihr solltet euch, bei all der großartigen Arbeit, aber nicht selbst verlieren. Niemand muss perfekt sein, niemand kann perfekt sein, niemand sollte perfekt sein! Auch eine Mutter nicht!

Hinterfragt und vergleicht euch nicht zu sehr, setzt euch nicht so unter Druck, denkt nicht über tausende Kleinigkeiten nach, bewertet euch selbst nicht so streng und setzt euch vielleicht auch einfach etwas kleinere Ziele. Vielleicht lasst ihr es einfach mal etwas ruhiger angehen, nehmt euch die Zeit, die ihr für euch braucht und spannt eure Männer (soweit es eben möglich ist, Männer auf Montage sind hier bspw. ganz klar ein Problem…)mehr mit ein.

Niemand, der auch nur halbwegs für voll zu nehmen ist,  erwartet von euch perfekt zu sein.

Macht ihr das auch nicht! Ihr müsst euch dann vielleicht auch nicht mehr in eurem Badezimmer einschließen und weinen.

Vielleicht noch ein/zwei Worte zum Thema Gefühlswelt der Männer.

Freilich kann ich hier nur von mir ausgehen, ich gehöre nämlich -wie die meisten meiner Spezies- eher zu den Männern, die mit anderen nicht über tiefgründige Gefühle sprechen.

Ich für meinen Teil bin noch nie in die Verlegenheit gekommen, meine Qualifikation als Vater anzuzweifeln.

 Was übrigens, zumindest meiner gefühlten Wahrnehmung nach, eine der häufigsten Fragen ist ,die sich Frauen stellen (natürlich neben „was soll ich nur anziehen, ich hab nix im Schrank“#isklar). Irre ich da?

Whatforever, zurück zur väterlichen Gefühlswelt. Ich habe natürlich auch Momente, in denen ich mich frage, ob ich eine Situation richtig angegangen bin, oder ob das doch eher daneben war. Das führt allerdings in der Regel nicht dazu, dass ich tottraurig bin, weil ich möglicherweise etwas falsch gemacht habe; sondern eher dazu, dass ich mir sage, dass das beim Nächsten mal anders laufen sollte #Schachtelsätzekannich.

Ich bin nicht perfekt nur nahe dran #hust, ich weiß das und ich kann damit ziemlich gut leben.

Ich glaube tatsächlich, dass Männer (es gibt natürlich immer Ausnahmen) unbekümmerter an viele Sachen herangehen; dass sie das allerdings tun können, liegt auch ein großes Stück mit an euch. Ihr gebt euren Männern halt, ihr unterstützt sie, ihr nehmt ihnen viel Arbeit ab und seid immer da.

Ihr leistet viel und solltet euch das öfter ins Gedächtnis rufen; vielleicht müsstet ihr euch dann nicht mehr in eurem Badezimmer einschließen und weinen*.

*Hinweis: Die Frau des Hauses Handbier möchte übrigens betont haben, dass sie sich nicht ins Badezimmer einschließt und heult; sie trinkt lieber ne Flasche Rotwein mit ihrer Freundin und lästert über die Männer.

6 Gedanken zu “Mann, oh Mann

  1. Monika schreibt:

    Richtig und richtig uuuuund richtig. Du bist du, wie andere eben andere sind. Jedoch bist du ein sehr besonderer Charakter, ich hoffe ich bin nicht zu weit jetzt gegangen und entschuldige mich sofort bei deiner Liebsten. So war es nicht gemeint. Denn sie ist offensichtlich auch auf der gleichen Stufe so besonders eben nur in einer anderen Farbe… Obwohl man sich nicht kennt, mag ich euch. Teile eure Meinung. Ich bin alleinerziehend. Es funktioniert Alles alleine mit mir selbst, meine liebsten Eltern übernehmen den Part der Abholung aus der Kita am drei Tagen die Woche. Unsere Lebensschicksal kann ich nicht hier erörtern und will ich auch nicht, denn das würde genau so rüber kommen, wie das Mitteilungsbedürfnis einer Mutter, die tatsächlich erzählt, dass sie sich im Bad einschließt, um zu heulen. So etwas sollte man bitte für sich behalten. Jeder ha hat seine Pakete. Immer sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass bei jeder schlimmen oder wirklich schlimmen Situation, es noch Schlimmeres gibt und schnellst möglich sich besinnen. Nach dem Motto:“Gibt dir das Leben einen Tritt in den Allerwertesten, dann nutze den Schwung nach Vorne!“ Ich bin eine Frau, zweifle auch an mir, wie jede andere mit dem Hormon Haushalt. Nicht jede Frau ist gleich Frau und nicht jeder Mann ist gleich Mann. Gott sei Dank! Umarmung

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    • nocheinpapa schreibt:

      Da stimmt, zum Glück sind wir alle unterschiedlich! Meine absolute Hochachtung übrigens, wäre ich Alleinerziehender, ich würde vermutlich öfter mal im Bad sitzen und weinen. 🙈 Ach und vielen Dank!

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  2. Nadine schreibt:

    Ich kanns nicht fassen….di bist wirklich der erste mann-zumindest für mich- der es so auf den Punkt bringt. Habs meiner besseren Hälfte grad mal geschickt. …er ist noch auf dem Nachhauseweg von der Firma. ….mal abwarten was passiert. …😁😁…..

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