Die Pflege hängt am Tropf

+++GASTBEITRAG+++

Heute gibt es hier mal wieder einen Gastbeitrag; und zwar zu einem Thema, dass uns alle angeht.

Die Pflegesituation in Deutschland. Mrs. Deermountain war so nett ihre Gedanken -als betroffene Pflegekraft- dazu aufzuschreiben.

Los geht´s ohne weitere Umschweife:

 

Pflegenotstand – und wer eigentlich die Lobby darstellen sollte …

Ein immer wieder heiß diskutiertes Thema ist der

Pflegenotstand in Deutschland.

Welche Konsequenzen dieser Pflegenotstand hat und welche Möglichkeiten und Optionen es gibt um das sinkende Schiff wieder in ein seichtes Fahrwasser zu manövrieren.

Viele (Nicht-)Fachleute meinen, ohne je in der Pflege tätig gewesen zu sein oder aber diesen Bereich durch praktisches Arbeiten kennengelernt zu haben, Lösungen präsentieren zu können und/oder den Einblick zu haben um die wahren Missstände zu beziffern.

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An dieser Stelle: NEIN, liebe (Nicht-)Fachleute, das könnt ihr nicht!

 

Aber IHR könnt etwas tun. Und das wird mir mehr und mehr, von Tag zu Tag, von Arbeitsstunde zu Arbeitsstunde bewusst.

Häufig wird etwas indirekt angeklagt, dass die Pfleger in Deutschland ja keine wirkliche Lobby haben, das unsere Stimmen zu leise sind und unsere Belastbarkeit scheinbar noch nicht ausgeschöpft ist.

Wir haben eine Lobby und ja, wir sind nicht laut genug.
Aber ihr, jeder einzelne da draußen von euch, kann uns helfen laut und lauter und am lautesten zu werden. Wir brauchen euch, so wie ihr uns braucht.

Jeder von euch ist Angehöriger, Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Tochter, Sohn, Enkel – oder schlicht und ergreifend Patient!

Und das ist das, was mir immer mehr bewusst wird. Wir haben das Recht zu streiken und wir haben das Recht auf die Straße zu gehen, aber schöner, besser, effektiver und sinniger wäre es, wenn ihr alle -jeder einzelne von euch- neben uns steht und mit uns laut werdet. Nicht für uns sondern auch für euch und die, die ihr liebt und die, die euch am nächsten sind.

Denn, wir würden alle gerne mehr auf die Straße gehen und lauter werden, unsere Rechte und vor allem auch die Rechte für jeden einzelnen Patienten einfordern, doch sehen wir zeitgleich alle in unseren Häusern, bei unseren Arbeitgebern, wie die IST-Situation ist und beleuchten auch wie ein Dienst aussehen wird, wenn wir nicht zu diesem erscheinen.

Eine normale Tagesplanung auf meiner Station wäre eine 4 – 3 – 2 Planung. 32 Betten, sprich 32 Patienten. Schwerkranke Patienten. Frisch operierte Patienten. Sterbende Patienten.
4 Examinierte im Frühdienst. 3 Examinierte im Spätdienst. 2 Examinierte im Nachtdienst.

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Eine schöne Planung, nicht wahr?
Doch die Realität sieht so aus, dass wir eine 3 – 2 – 1 Besetzung sind im normalen Stationsalltag haben. Einfach weil die Personalbesetzung nicht mehr hergibt. Einfach weil wir auch mal Urlaub haben. Und manchmal, da werden sogar manche von uns krank.

 

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Dann kann die Besetzung sich noch weiter reduzieren und so sind wir nicht mehr für 8 oder 16 Patienten zuständig sondern für 32 Patienten!
Stellen wir uns jetzt noch vor, dass wir anstatt zum Dienst zu gehen uns auf der Straße wieder finden um laut und lauter und am lautesten zu werden. Dann ist die Besetzung noch enger – oder es werden -wie auch schon in fast jedem Haus zu finden- Betten auf Grund von Pflege- und Ärztemangel gesperrt. Betten gesperrt?

 

Richtig, es müssen schwerkranke Menschen nach Hause geschickt werden, weil es keine Option gibt diese aufzunehmen und adäquat zu versorgen.

Versteht ihr jetzt wieso wir EUCH brauchen, jeden einzelnen von euch?
Wir erwarten von euch keine Blumen, keine Schokolade, keinen Kaffee und kein Geld für die Stationskasse. Wir erwarten häufig nicht einmal ein Dankeschön.
Was wir jedoch mittlerweile doch alle erwarten, ganz langsam und schleichend ist eine Lobby von außen. Eine Lobby derer denen wir helfen, die wir pflegen, die wir unterstützen, denen wir Ballast abnehmen und Hoffnung geben, denen wir unser offenes Ohr schenken, eine Umarmung geben, in den letzten und schwersten Phasen des Lebens unterstützen und begleiten, uns gemeinsam freuen über Besserung und Heilung, … und hier kann ich es wieder nur sagen: WIR BRAUCHEN EUCH!

Denn ich denke, dass die wirkliche Tragweite dessen, was passieren wird, wenn der Pflegenotstand sich noch mehr ausbreitet für die meisten gar nicht ersichtlich oder verständlich ist – und jeder einzelne von uns in der Pflege hofft, dass wir das sinkende Schiff tatsächlich wieder in ruhiges Fahrwasser kriegen und dort seicht gleiten lassen können, statt uns über Rettungswesten, Rettungsboote und „Birkenhead Drill“ (Frauen und Kinder zuerst!) Gedanken machen zu müssen.

Zu Verbessern gibt es vieles,

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Darum gehen wir auf die Straße. Geht ihr mit?

 

Grüße,

Mrs. Deermountain

 

 

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